Facetten der Freiheit
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„Was bedeutet Freiheit für dich?“. Eine sehr interessante Frage, welche individuelle Antworten erlaubt. Andrea Hiltbrunner geht in ihrem Aufruf zur Blogparade dieser Frage nach. Herzlichen Dank an Matthias Brückner, der mich mit seinem Artikel auf diese Parade aufmerksam gemacht hat. Meine Ansicht nach sind es mehrere Facetten der Freiheit. Diese lernst du in diesem Artikel kennen.

Frei von äusseren Einschränkungen

Würden wir William Wallace, der schottische Freiheitskämpfer aus dem 13ten Jahrhundert, fragen was für ihn Freiheit bedeute, würde er vermutlich erwidern, Freiheit sei die Abwesenheit von Unterdrückung. Matthama Ghandi würde wahrscheinlich eine ähnliche Aussage treffen. Viele Gemeinsamkeiten zwischen den beiden gibt es nicht viele. Der eine ein kriegerischer Friedenskämpfer, der andere ein Pazifist. Doch beide würden wohl die Freiheit gleichsetzen mit frei sein (von der Unterdrückung durch die Engländer). Ich nenne dies die Abwesenheit von äusseren Einschränkungen.

Die Crux an der Sache ist, dass wir uns oftmals unfrei fühlen, obwohl äussere Einschränkungen fehlen. An der Stelle mag der eine oder andere Leser intervenieren und erwidern wir seien immer in irgendeiner Abhängigkeit, welche uns einschränkt. Abhängig von unserem Job, abhängig von Geld, abhängig vom Partner, abhängig von was auch immer, Beispiele gäbe es genug. Vollständig frei sei man nie.

Dies mag in vielen Fällen zutreffen und will ich auch nicht leugnen. Ich denke jedoch, wir sind in der Lage ein grosses Stück Freiheit zu erreichen, indem wir selbstbestimmt leben und unseren Werten, Identität, Wünschen und Bedürfnissen bewusst sind. Leider halten wir uns, trotz äusserer Freiheit, selbst zurück, zu unserem inneren Erleben zu stehen. Damit schränken wir uns selbst ein.

Unfrei durch eigene Beschränkungen

Wir haben uns angewöhnt, uns unserer Umgebung anzupassen. Mit dieser Anpassung wollen wir unserem Umfeld zeigen wie gut wir sind und erhalten dafür Zuneigung. Bei diesem automatischen und unbewussten Prozess vergessen wir, dass wir dabei unsere echten Bedürfnisse und Wünsche ignorieren. Oftmals sind wir uns deren gar nicht mehr bewusst. Durch die Anpassung begeben wir uns in eine Abhängigkeit von Aussen und sind damit unfrei. (Abhängigkeit im Sinne: Ich tue was ich glaube was mein Umfeld von mir will, obwohl ich innerlich anders denke, um Zuneigung zu erhalten.)

Um von unseren eigenen Beschränkungen wirklich frei zu sein, braucht es viel Bewusstsein über unsere innere Welt. Je bewusster wir uns unseren Wünschen, Bedürfnissen, Werten, etc. werden, desto ehrlicher begegnen wir uns selbst und damit auch unseren Mitmenschen. Meiner Ansicht nach werden wir ohne dieses Bewusstsein keine innere Freiheit erlangen können.

Freiheit vom destruktiven Teil

Weshalb begannen wir uns unserer Umgebung anzupassen? Unter anderem durch Gefühlsignorante Erziehungsweise (siehe Beitrag “Warum wir Gefühls-ignorante Aussagen treffen”) begannen wir zu glauben, dass  wenn wir uns geben wie wir sind, wir nicht annehmbar seien. Dies beinhaltete sowohl sehr wertvolle Aspekte von uns, wie Gefühle der Liebe oder Freundschaft äussern, aber auch destruktive Aspekte wie Ärgerlich oder Wütend sein. Oftmals waren die destruktiven Aspekte die weniger tolerierten Teile, welche wir dann zu verleugnen begannen. Wir vergruben sie in uns.

Dieser destruktive Teil will ausgedrückt werden, genau wie jeder andere Teil in uns auch. Wenn wir unserer Schattenseite jedoch ungehindert freien Lauf lassen, werden wir unsere Mitmenschen höchst wahrscheinlich in emotionaler Weise verletzen und definitiv Grenzen übertreten. Ob wir das tatsächlich wollen mag ich zu bezweifeln. Ich glaube kaum, dass wir mit destruktivem Ausdruck eine lebenswerte Freiheit erlangen. Meiner Ansicht nach kapseln wir uns von unseren Mitmenschen ab und stehen am Ende alleine da. Es gilt als erster Schritt, sich den Schattenanteil bewusst zu machen. Durch das Bewusstsein dieses destruktiven Teils in uns, durch das Annehmen dieser Seite von uns, sind wir automatisch freier, denn wir Reagieren oftmals nicht mehr aus dem Affekt hinaus.

Freiheit durch Entfaltung

Sind wir danach in der Lage den destruktiven Teil in uns öfters zu erkennen, werden wir fähig mit ihm in den Kontakt zu treten. Wir fragen uns weshalb dieser Teil in uns besteht, woher er kommt und was er erreichen möchte. Wir erkennen mit der Zeit, dass er nichts Böses will. Oftmals will er uns schützen. Wir beginnen uns und unsere Reaktionen zu verstehen und transformieren diesen Teil.

Ist der destruktive Teil transformiert sind wir noch besser fähig unsere wertvollen Aspekte auszudrücken. Der Ausdruck unserer wahren Werte und Identität dringt ungehindert durch uns hindurch. Wir entfalten uns und zeigen unseren Mitmenschen wer wir tatsächlich sind. Dies nenne ich wahre Freiheit.

Wie fühlt sich für mich Freiheit an?

Ich bezweifle, dass wir jemals die wahre Freiheit erlangen können. Einen destruktiven Teil in uns wird es immer geben. Vermutlich werden wir diesen Teil einschränken wollen, um unsere Mitmenschen nicht vor den Kopf zu stossen.

Schlussendlich bedeutet für mich Freiheit meine wahren Werte und meine Identität auszudrücken, sprich mich zu zeigen wer ich in meinem Innersten bin. Ich lebe meine Träume, meine Visionen und tue was mich, und andere, bereichert. Ich fühle Freude, Motivation, eine Kraft die mich antreibt, Tatendrang und den Wunsch nach Selbstausdruck.

Diese Freiheit spüre ich wenn ich meine Klienten berate und sehe wie sie durch meine Interventionen Erkenntnisse über sich gewinnen. Das passiert dann, wenn sie anfangen ihre eigenen Werte, Identität, Visionen, Ziele, Wünsche, Bedürfnisse zu erkennen und sie sich selbst anfangen zu hinterfragen. Wenn sie sich selbst bewusst werden und in ihnen das Feuer entfacht wird, sich selbst zu entfalten. In diesen Situationen freue ich mich mit ihnen. Und ich freue mich dabei meine Leidenschaft zu leben und meine Klienten in ihrem Prozess zu begleiten.

Wie merke ich, dass ich mein wahres selbst ausdrücke? Dann wenn ich auf meine innere Stimme höre und darauf vertraue, dass es gut kommt. Wie merkst du es?

Herzlichst

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Noch mehr Inspiration findest du im Artikel “Was ist Selbstbewusstsein

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