Was ist Selbstbewusstsein? Ein vielseitiger Begriff
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In alltäglichen Begegnungen und beim Lesen von Blog Artikeln, stelle ich immer wieder fest wie der Begriff Selbstbewusstsein unterschiedlich angewendet wird. Es stellt sich mir die Frage: Was ist Selbstbewusstsein?
Anscheinend entspricht meine Auffassung nicht unbedingt dem umgangssprachlichen Begriff. Selbst der Duden und Wikipedia haben unterschiedliche Definitionen, weshalb ich dies zum Anlass nehme die Frage zu erörtern.
Der Begriff Selbstbewusstsein ist sehr vielseitig. Aus welchen Bestandteilen er besteht, wie sie zusammenwirken und wie du daraus dein Selbstbewusstsein stärken kannst entnimmst du in diesem Artikel.

Was ist Selbstbewusstsein und dessen Bedeutung

Meine Auffassung zu „Was ist Selbstbewusstsein”

In der Ausbildung zum Energietherapeuten belegte die Arbeit am eigenen Bewusstsein den grössten Block. Wir übten uns in Selbsterkenntnis, wodurch wir ein feines Gespür für uns bekamen. Wir erkannten schrittweise wie wir funktionierten und lernten Teile an uns kennen, welche lange unbewusst verborgen blieben. Meine Leidenschaft mich in Selbsterkenntnis zu üben war entfacht.

Aus jenen Zeiten lernte ich Selbstbewusstsein in folgenden Worten zusammen zu fassen:

  • Ich kenne mich selbst und wie ich funktioniere.
  • Ich bin mir über meine Glaubenssätze, Gefühle, Emotionen, Verhaltensweisen bewusst.
  • Ich kenne meine Werte und wie ich mich identifizieren.
  • Ich weiss wer ich bin und aus welchen Bestandteilen ich bestehe.
  • Ich erkenne was ich im Hier und Jetzt tue.

Der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel fasst meine Worte in einem Satz zusammen: „Selbstbewusstsein ist das Wissen von sich selbst,”

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Was Enzyklopädien schreiben

Der Duden schreibt dem Selbstbewusstsein folgende Bedeutungen zu (Quelltext):

  • (Philosophie) Bewusstsein (des Menschen) von sich selbst als denkendem Wesen
  • das Überzeugtsein von seinen Fähigkeiten, von seinem Wert als Person, das sich besonders in selbstsicherem Auftreten ausdrückt

Beide Bedeutungen schränken den Menschen als denkendes Wesen ein, was meiner Ansicht nach den Menschen auf eine Eigenschaft reduziert. Bei der zweiten Bedeutung gesellen sich zu Selbstbewusstsein (Überzeugtsein von seinen Fähigkeiten) die Begriffe Selbstwertgefühl (seinem Wert als Person,) und Selbstsicherheit (selbstsicherem Auftreten ausdrückt) hinzu.

Wikipedia geht mit der umgangssprachlichen Begriffsverwendung differenzierter und detaillierter um. Der Beitrag erstellt einen Bezug zur englischen Sprache, was ein wenig Klärung verschafft. (Quelltext):

  • Selbstbewusstsein heißt das Bewusstsein seiner selbst. (Self-Consciousness)
  • Zum einen wird darunter das aktive durch innere Denkvorgänge herbeigeführte Erkennen der eigenen Persönlichkeit verstanden (Selbsterfahrung, englisch „self-awareness“). Die Frage: „Wer oder was bin ich?“ kann als Ergebnis dieses Denkvorgangs beantwortet werden.”Zum anderen beschreibt Selbstbewusstsein etwas, was im Englischen self-confidence oder self-assurance heißt. Confidence heißt „Vertrauen, Zuversicht“; assurance heißt „Gewissheit, Sicherheit, Vertrauen“.

Die unkonkrete deutschen Sprache?

Mir wurde für einmal mehr klar, dass der Begriff Selbstbewusstsein in der deutschen Sprache eine vielfältige Bedeutung hat, aber auch sehr unkonkret ist. Die englische Sprache differenziert die Charakteristiken und bringt es meiner Ansicht nach auf den Punkt. Im Gegensatz zur deutschen Sprache ist es in englischen Texten zum Thema Persönlichkeitsentwicklung klar ersichtlich, um welche Aspekte gesprochen wird.
Der deutsche Begriff Selbstbewusstsein scheint mir als ein Sammelbegriff verstanden zu werden, der für verschiedene Eigenschaften steht.

Die Bestandteile des Begriffs Selbstbewusstsein

Ich mag es nicht wenn unkonkrete Begriffe verwendet werden. Es stiftet Verwirrung und jeder interpretiert wie es ihm gefällt. Auf meinem Blog möchte ich es konkreter halten, auch wen es bedeutet umgangssprachliche Begriff klar zu umreisen. Ein bisschen Struktur schadet nicht. Dir als Leser soll es helfen zu verstehen von was ich spreche wenn ich die Begriffe verwende.
Im folgenden sind die Bestandteile des deutschen Begriffs erklärt mit der Referenz zum Englischen Wort. Im darauffolgenden Kapitel gehen wir auf ihr Zusammenwirken ein und wie du es nutzen kannst dein Selbstbewusstsein zu stärken.

Selbsterkenntnis (self-awareness)

Selbsterkenntnis bedeutet „Erkenntnis über sich selbst“. Ich nenne es auch sehr gerne Selbstreflexion.
Im Grunde ist es eine aktive Tätigkeit um dein Wesen zu erkennen. Es liefert dir Antworten und Erkenntnisse über deine Glaubenssätze, Gefühle, Emotionen, Verhaltensweisen, Werte, Identität, Ängste, Bedürfnisse etc. Wenn du Selbsterkenntnis intensiv praktizierst, fördert es deine eigenen falschen Konzepte und Glaubensmuster zu Tage. Diese wiederum führen zu Gewohnheiten und Automatismen, welche dein Leben bestimmen.
Ausserdem erkennst du Eigenschaften an dir, welche du als negativ empfindest und ablehnst. Dies führt oftmals dazu, dass Menschen Selbsterkenntnis gar nicht erst praktizieren wollen. Sie spüren einen unerklärbaren inneren Widerstand.
Um Selbsterkenntnis zu fördern und Antworten zu finden kannst du z.B. Meditieren, Tagebuch schreiben, dich in Selbstreflexion üben, Yoga oder Kampfkünste betreiben, deine eigene Komfortzone verlassen und Neues erleben.

Selbstbewusstsein (self-consciousness)

Selbstbewusstsein im Sinne von self-consciousness beschreibt das Bewusstsein über sich selbst.
Du wirst selbstbewusst in dem du dich in Selbsterkenntnis übst. All die Eigenschaften, welche durch die Selbsterkenntnis gewonnen werden sind nun im Bewusstsein des Menschen direkt verankert.
Ich stelle mir das Selbstbewusstsein wie ein Eisberg im Meer vor. Über den sichtbaren Teil sind wir uns bewusst. Der Teil im Wasser ist uns unbewusst und bestimmt unsere Automatismen, Verhaltensweisen und Gewohnheiten. Dieser Teil beruht oftmals auf falschen Konzepten, welche du durch die Selbsterkenntnis ins Bewusstsein holen kannst. Erst danach bist du in der Lage eine nachhaltige Veränderung zu erzielen und dein Leben selbstbestimmter zu führen. Komfortzone verlassen gehört da auch dazu.

Selbstsicherheit (self-assurance)

Selbstsicherheit ist die Fähigkeit, zu seiner Person und ihr innehaltenden Eigenschaften zu stehen und sich für sie einzusetzen.
Wer unsicher über seine eigenes Wesen ist und daher über ein schwaches Selbstbewusstsein wird kaum selbstsicher auftreten.
Selbstsicher ist derjenige, welcher über Erfahrung verfügt. Ein Leitsatz könnte lauten: “Ich weiss dass ich es kann, weil ich dies schon oft erfolgreich gemacht habe.”
Du kannst zu Recht annehmen, dass du selbstsicherer wirst in dem du mehr über dich selbst erfährst.

Selbstvertrauen (self-reliance/self-confidence)

Das Selbstvertrauen zeichnet sich in der Zuversicht zu sich und seinen Fähigkeiten aus.
Es wird vor allem dann benötigt wenn du deine Komfortzone verlässt. Du begegnest dabei deiner Angst vor Unbekannten. In dem du Mut und Zuversicht aufbringst, wirst du neue Erfahrungen machen und neue Seiten an dir kennen lernen. Dies kann das Vertrauen in dich und deine Fähigkeiten fördern.

Der Leitsatz des Selbstvertrauen lautet: „Ich schaffe das weil ich weiss wer ich bin und in meine Fähigkeiten vertraue.“

Selbstwertgefühl (self-esteem)

Das Selbstwertgefühl sagt aus wieviel Wert du dir selbst gibst.
Wenn du über ein schwaches Selbstbewusstsein verfügst orientierst du dich wahrscheinlich an die Meinungen anderer Menschen. Du scheinst nur dann einen Wert zu erhalten, wenn sie deine Taten positiv bewerten. Ist ihre Bewertung negativ, dann fühlst du dich als Versager und Nichtsnutz. Dies nagt an deinem Selbstwertgefühl und macht dich abhängig von ihnen.
Mit einem starken Selbstbewusstsein orientierst du dich an deinen eigenen Werten. Weil du sie kennst, nach ihnen handelst und mit dir im Einklang bist, bist du unabhängig von der Meinung anderer Leute. Dies befreit ungemein und baut dein Selbstwertgefühl auf.

Die Wirkungsweise der Bestandteile

Täglich machst du Erfahrungen und lernst dich neu oder vertiefter kennen. Dabei wirken die vorgestellten Bestandteile des umgangssprachlichen Selbstbewusstseins aufeinander ein. Ich sehe zwei konkrete Kreisläufe, die dein Selbstbewusstsein stärken als auch das Selbstvertrauen, die Selbstsicherheit und das Selbstwertgefühl.

Kreislauf der Erkenntnis

Im Alltag führst du dein Leben ohne grössere Veränderungen. Du gehst deiner bekannten Arbeit nach, bist immer mit denselben Personen zusammen und frönst deinen diversen Hobbies. Du erfährst selten Neues.
Wenn du im Alltag die Augen offen behältst und dich in Selbsterkenntnis übst, wirst du dein Selbstbewusstsein vertiefen. Du erkennst deine Automatismen, Gefühle, Gedanken, Ängste, Werte, etc und beginnst sie zu verstehen. Durch das gesteigerte Selbstbewusstsein wirst du selbstsicherer und beginnst zu deinen Eigenschaften zu stehen. Dies fördert zudem deinen Selbstwert.

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Als Analogie stelle ich mir einen Baum vor, den ich in seiner Form behalte. Anstatt ihn über seine Grenzen wachsen zu lassen beginnt er buschiger und dichter zu werden. Dasselbe geschieht im Kreislauf der Erkenntnis. Du wächst innerhalb deiner Grenzen.

Als Beispiel können wir den Humor nehmen. Wenn du dich beobachtest, wirst du feststellen wie du Humor lebst. Du erkennst vielleicht wie du Sarkasmus anwendest und dabei unbewusst deine Mitmenschen verletzt. Wenn du weiter forscht erkennst du wie es sich anfühlt wenn andere Menschen ihren Sarkasmus an dir ausleben. Du spürst wie sehr er verletzen kann und entscheidest womöglich mit diesem Humor aufzuhören.

Kreislauf der Veränderung

Das Leben ist Veränderung. Entweder du veränderst dich nach deinen Vorstellungen oder das Umfeld zwingt dich dich zu verändern.
Im Kreislauf der Veränderung begegnest du Neuem. Du kannst z.B. eine neue Anstellung antreten, ein neue Hobby beginnen oder eine Reise antreten. Was du konkret veränderst ist egal. Tipps erhältst du bei Freunden genug.
Auf jeden Fall brauchst du Mut und Zuversicht, um die Veränderung anzustossen. Dies fordert Selbstvertrauen in deine Fähigkeiten das Unbekannte zu meistern. Während der Veränderung lernst du viel Neues über dich kennen, übst dich unbewusst in Selbsterkenntnis und wirst automatisch selbstbewusst. Ausserdem fühlst du dich in deinem Selbstwertgefühl gestärkt, weil du in deinen Fähigkeiten vertraut hast.

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Als Analogie nehme ich wiederum den Baum zur Hand. Anstatt ihn zu trimmen lasse ich ihn aus seiner Form wachsen. Er wird grösser und strebt zum Himmel. Er nimmt mehr Raum ein ohne wirklich dicht und buschig zu wirken.

Um beim Beispiel des Humors zu bleiben, wirst du vielleicht mit dem Sarkasmus aufhören. Stattdessen probierst du neue Arten des Humors aus und erkennst, dass deine Mitmenschen herzlicher lachen und sich wohler in deiner Gegenwart fühlen. Womöglich gefällt dir ihre Reaktionen und du beschliesst dem Sarkasmus Adieu zu sagen.

Welche Erkenntnisse du aus diesem Artikel ziehen kannst

Die Antwort auf die Frage „Was ist Selbstbewusstsein“ ist vielseitiger als du vielleicht gedacht hast. Wie du gelesen hast besteht der umgangssprachliche Begriff Selbstbewusstsein aus mehreren Bestandteilen. Sie wirken als Kreisläufe aufeinander. In beiden Kreisläufen wirst du dir selbstbewusster. Es braucht jedoch Mut dich in Selbsterkenntnis zu üben oder neue Wege zu gehen und deine Komfortzone zu verlassen.
Die Entscheidung liegt an dir, ob du den Kreislauf der Erkenntnis oder der Veränderung anstossen willst. Für welchen entscheidest du dich?

Was hat dich an diesem Artikel zum denken angeregt? Das Eingabefeld wartet auf deinen Kommentar- 😉

Herzlichen Gruss

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Wie weiter?

Dieser Beitrag stellt die Lektion 1 zur Grundlage “Selbstbewusstsein stärken: Der Einstieg” dar.

Weiter gehts mit Lektion 2: Wie Gewohnheiten deine Gegenwart beeinflussen

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Blogbeitrag “Was ist Selbstbewusstsein” von Regine Stopka

 

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