Wer tatsächlich die Grenzen unserer Meinungsfreiheit setzt
Bitte bewerten

Wer zu viel Meinung von sich gibt kann Staatsaffäre auslösen. Zumindest geriet Angela Merkel arg in Bedrängnis als der Satiriker Jan Böhmermann sein umstrittenes Gedicht gegen Erdogan veröffentlichte. Dem türkischen Staatsoberhaupt gefielen die Worte rein gar nicht, weshalb er sich auf den Paragrafen 103 des Strafgesetzbuches berief und den Satiriker anklagte.
Ob die satirischen Worte gerechtfertigt waren oder nicht, soll jeder für sich entscheiden. Satire sorgt für Aufsehen und erzeugt Probleme wie es sarkastischer Humor tut. Ist es deswegen legitim jemandem einen Maulkorb zu verpassen und ihn in seiner Meinungsfreiheit zu berauben? Wer grenzt tatsächlich unsere Meinungsfreiheit ein und hemmt uns in unseren Äusserungen? Letzteren Frage gehen wir im vorliegenden Beitrag auf den Grund.

Meinungsfreiheit als verankerter Schutz

Aus staatlicher Sicht war lange Zeit die freie Meinungsäusserung nicht gerne vergesehen. Vor nicht allzu langer Zeit gingen ehemalige Staatsoberhäupter nicht zimperlich mit sich frei äussernden Bürgern um. Sie liessen sie für ihren Standpunkt hinrichten.Solche Handlungen kennen wir heute noch vor allem von Diktatoren.
Mit der französischen Revolution wurde die Meinungsfreiheit 1789 im Artikel 11 der Erklärung der Menschen und Bürgerrechte Frankreichs verankert. Damals war dies ein revolutionärer Schritt. Heutzutage ist dieser Artikel in den Grundgesetzen europäischen Staaten kaum noch weg zu denken.
Deutschland, Österreich und die Schweiz schützen die Meinungen der Bürger und lassen ihnen die Möglichkeit sie tatsächlich zu äussern. Nicht nur Meinungen sind geschützt sondern auch emotionale Äusserungen wie ein Bundesverfassungsgerichtsentscheid verlauten liess. Selbst Satire, Comedy, Karikaturen sowie Werbung können frei geäussert werden. Einschränkungen erhalten sie sobald sie die persönliche Ehre verletzen.
Die USA ist da rigoroser und verankerte die Meinungsfreiheit in der Verfassung. Jeder hat das Recht seine Meinungen zu äussern, egal wie extrem sie scheinen mögen oder sogar falsch sind. Wenn sich jemand an den Äusserungen stört oder sich seiner Ehre verletzt fühlt fehlen ihm die Grundlagen, um sich juristisch zu wehren.
Auch wenn ich für freie Meinungsäusserung plädiere, finde ich es rechtmässig die eigene Ehre verteidigen zu können. Als Fazit ziehen wir, dass unsere Staaten die freie Meinungenäusserung schützen und nur geringfügig zensieren. Dennoch lassen wir uns von anderen Institutionen oder Personen einschränken, wie wir gleich sehen werden.

Einschränkung von Aussen

Militär

Als ich noch in der Rekrutenschule war hiess es „Auf mein Kommando“. Blöd nur, dass ich Soldat war und nicht der Kommandant. Meinungen durfte man zwar von sich geben, doch hatten sie geringen Einfluss auf das Geschehen. Wenn es hiess 20km marschieren, dann kam man nicht darum herum.
Manchmal hiess es “Schnautze tief”, was soviel bedeutet wie “Deine Meinung zählt nicht”. Das mag in autoritären Institutionen wie dem Militär dienlich sein. z.B Wenn in Krisenzeiten gehandelt anstatt diskutiert werden muss. In solchen Zeiten sind Meinungen sekundär, da deren Austausch Zeit in Anspruch nimmt.

Arbeitsstelle

In verschiedenen Firmen wird noch heute ein autoritärer Führungsstil gelebt. Die Hierarchie ist wichtiger als die Meinungen der Mitarbeiter. Letztere sind oftmals frustriert und machen die Faust im Sack. Ihre Meinung geben sie schon lange nicht mehr preis, da es sowieso keine Änderung bewirkt.
Menschen, die sich gerne führen lassen, fühlen sich im autoritären Stil Zuhause. Da ihnen alles “kommandiert” wird, müssen sie kaum nachdenken und tragen keine Verantwortung. Doch das Bild ändert sich. Manager erkannten, dass dieser Stil nicht mehr zeitgemäss ist. Die Mitarbeiter wollen sich äussern und sich mit der Firma identifizieren. Sie wollen ihr Bestes geben und einen Mehrwert für die Firmen schaffen. Einer Studie des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales nach seien in Zukunft andere Führungsstile erfolgsversprechender.
Ich bin guter Hoffnung, dass zukünftig unsere Meinungen am Arbeitsplatz gefragter sind und wir weniger Einschränkungen erleben werden. Und wenn nicht müssen wir unsere Komfortzone verlassen und darum kämpfen.

Religion

Glaubenskriege sind die schlimmsten überhaupt. Dabei kommt es nicht darauf an ob die Bibel oder der Koran als Mittel zum Zweck verwendet wird. Gläubige nehmen die Worte sehr ernst und in manchen Fällen sogar zu ernst. Andersartiger Glauben wird abgelehnt. Entweder bist du Freund oder Feind.  Die eigene Meinung ist durch den Glauben getrübt. Als Beispiel nehmen wir die Inquisition, die Kreuzzüge, der 30-jährige Krieg oder aktuelle Glaubenskriege in Nigeria.
In unseren Breitengraden sind Glaubenskriege wohl kaum an der Tagesordnung. Und trotzdem gibt es immer mal wieder Dispute zwischen Gläubigern und Nicht-Gläubigern. Aber wir haben gelernt mit den verschiedenen Meinungen umzugehen, weshalb eine Einschränkung unserer Äusserungen kaum vorhanden sein sollte.

Partner

Selbst in Beziehungen erfahren wir Einschränkungen. Bei einem dominanten Partner zählt womöglich nur seine eigene Meinung. Er sagt wo es lang geht und der andere Partner folgt ihm ohne mit der Wimper zu zucken.
Selbst weniger offensichtliche Einschränkungen lassen sich in Beziehungen wiederfinden. z.B vermeiden wir gewisse Äusserungen gegenüber unserem Partner, weil wir vermuten er könne über die Worte wütend werden oder sich verletzt fühlen. Dabei ist „vermuten“ das Schlüsselwort, was die nachfolgende Geschichte verdeutlicht.
Der Ehemann äusserte sich über Jahre hinweg mit keinem Wort, als ihm seine Frau zum Frühstück den Brotanschnitt überreichte. Erst als sie nach 20 Jahren sagt sie würde gerne den Brotanschnitt haben wollen erwidert er: „Noch so gerne. ich mag ihn nämlich nicht“.
Trotz all den äusseren Einschränkungen ist durch die Geschichte klar zu erkennen wo in unseren Breitengraden der tatsächliche Meinungsverhinderer liegt: Bei uns selbst.

Der wahre Meinungsverhinderer: Du selbst

Egal welche Person oder Institution die Meinung verbietet, schlussendlich bist du derjenige, der sich dafür entscheidet deine Meinung zu äussern. Wenn es um Leben und Tot geht, dann ist Schweigen wohl die beste Alternative. In den meisten Fällen sind wir weit von einer bedrohlichen Situation entfernt. Dennoch halten wir uns zurück. Weshalb?
Unsere Erziehung hat viel damit zu tun wie wir uns äussern und artikulieren. Der autoritäre Stil war früher in der Erziehung stark vertreten. Wir mussten uns in jeglicher Hinsicht unseren Eltern anpassen und ihnen gehorchen. Ansonsten konnte man ohne Abendbrot ins Bett. Da habe ich jetzt noch Erinnerungen dazu.
Im Teenageralter mussten wir unseren Platz in der Welt erst finden. Gehörten wir zu den coolen Kids konnten wir uns alles erlauben. Wenn nicht, versuchten wir uns vielleicht anzupassen um zu den Coolen zu gehören. Wir lernten womöglich, dass wir unsere Meinung verleumden müssen um beachtet und akzeptiert zu werden.
Wir können davon ausgehen, dass wir durch unsere vergangenen Erlebnisse und unser Umfeld geprägt wurden. Wir haben gelernt uns wie ein Chamäleon an Situationen anzupassen, anstatt zu unserer Identität zu stehen und uns zu geben wie wir sind. Indem wir uns verleumden setzen wir uns selbst einen Maulkorb auf. Stattdessen äussern wir uns nicht oder nehmen die Meinungen anderer an. Wir erkennen gar nicht wie kontraproduktiv unser Verhalten ist.

Die eigene Meinung kund tun

Die eigene Meinung zurückzuhalten bringt weder dir noch deinen Mitmenschen einen Vorteil. Ganz im Gegenteil. Jede Meinung bringt neue Aspekte eines Sachverhaltes, eines Problems, etc zum Vorschein. Durch Äusserungen bereichern und inspirieren wir uns gegenseitig. Wir tragen zu einem kreativen Umfeld bei.
Solltest du dich in einer Situation befinden, wo du deine Meinung zurückhalten willst: Tue es nicht. Womöglich befindest du dich in einem Trugschluss, dass deine Meinung nicht angebracht sei. Wenn du befürchtest jemand mit deinen Worten wütend zu machen, dann achte auf deine Worte. Beobachte was geschieht und wenn du recht behältst, dann wähle das nächste Mal andere Worte.
Meine Motivation für dich: Sag was du denkst, teile dich mit und trage zu einem inspirierenden Umfeld bei. Deine Meinung zählt. Selbst wenn du ein Satiriker sein solltest kannst du dich daran orientieren. Sei dir einfach bewusst was deine Äusserungen auslösen könnten. Es muss nicht gerade eine Staatsaffäre sein, aber es kann.
Herzlichen Gruss
Unterschrift-kleiner
  • Facebook
  • Twitter
  • G+
  • Buffer
  • Pinterest

Pin It on Pinterest

Share This