Wie Gewohnheiten deine Gegenwart beeinflussen
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„Schon wieder ist die Beziehung in die Brüche gegangen“, „Schon wieder ist die der Job langweilig geworden“ und „Schon wieder hast du den Sport gegen eine Tafel Schokolade ausgetauscht“. Du kannst machen was du willst und du endest immer wieder in denselben Situationen. Es scheint als ob dein Leben verhext wäre. Du fühlst dich in einem Teufelskreis. Ohne es zu wollen kehrst du automatisch zu altbekannten Gewohnheiten zurück.
Es ist frustrierend aber erklärbar. In den nächsten 5 Minuten lernst du wie du dir deine Gewohnheiten antrainiert hast und weshalb es unsinnig ist dich exzessiv mit deiner Vergangenheit auseinander zu setzen, um Probleme beheben zu wollen.

Wo Gewohnheiten liegen und wie sie ausgelöst werden

Dein Alltag ist gespickt von Gewohnheiten. Als Beispiel nenne ich die Morgenroutine: Du stehst morgens zur selben Zeit auf, duschst, trinkst deinen Kaffee, putzt dir die Zähne, verlässt das Haus und nimmst gleich die Zeitung mit und holst bei der nächsten Bäckerei ein Brötchen zum Frühstück, welches du dir bei der Kaffeepause genehmigst.

Indem du Gewohnheiten lebst brauchst du nicht ständig zu überlegen was dein nächster Schritt ist. Würdest du für jeden einzelnen Schritt eine Entscheidung fällen wollen, würde dies dein Gehirn enorm belasten. In diesem Online Artikel wird das Wissen vermittelt, dass jeder Denkprozess Energie kostet, welcher das Gehirn lieber vermeiden würde. Routinen hingegen sind im schnell reagierenden limbischen System verankert und benötigen bei ihrem Ablauf viel weniger Energie. Es setzt automatische unbewusste Abläufe in Gang, welche  das bewusste Denken erst nach dem Geschehen realisiert. Das Bewusstsein hat in dem Sinne nichts zu melden.
Gewohnheiten sind im limbischen Teil des Gehirns verankert. Klick um zu Tweeten

Das limbische System ist es auch, welches dich dazu verleitet nach dem Essen eine Zigarette anzuzünden oder dir einen Kaffee zu gönnen. Das System setzt nicht nur äussere Verhaltensweisen und Gewohnheiten in Gang, sondern auch innere Denkprozesse und Emotionen. Wenn du also eine Zigarette anzündest, wirst du dich entspannt und zufrieden fühlen und deine Gedanken werden sich beruhigen.

(Im Bereich des Marketings wurde das System schon lange entdeckt. Im Buch “Brain View” von Dr Häusel wird auf die aktuelle Gehirnforschung eingegangen und wie man das Kaufverhalten beeinflussen kann. Bei diesem Buch kann ich eine eindeutige Leserempfehlung abgeben, da es viele Tipps für den Eigengebrauch gibt. )

Das limbische System setzt auch emotionale Vorgänge in Gang. z.B wenn dein Chef dich scharf kritisiert. Dein Puls saust hoch, deine Emotionen geraten in Wallung und deine Gedanken melden sich wie wild. Je nachdem wie dein Automatismus aussieht, wirst du dich zurückziehen, dich verteidigen oder den Chef ankeifen. Dein bewusstes Denken hat in solchen Situation keine Chance. Das ist der Grund weshalb du ungehalten reagierest, Wut zeigst oder ganz im Gegenteil deine Emotionen verbirgst oder überschwänglich bist.

Wir haben die Gewohnheiten im Laufe unseres Lebens antrainiert, weshalb sie ihren Urspung in unserer Vergangenheit haben. Hier die gute Nachricht. Wir haben das System selbst trainiert und können es wieder umtrainieren.

Wie du Gewohnheiten erlernst

Drei Bestandteile von Gewohnheiten

Wenn es um das Erlernen oder Ändern einer Gewohnheit geht, brauchst du zu verstehen mit welchen Komponenten sie sich zusammen setzt. Der Autor Charles Duhigg hat in seinem Buch “Die Macht der Gewohnheit” drei Bestandteile hervorgehoben. Dieses Buch lässt sich wärmstens empfehlen.

  • Lust: Dein Verlangen, deine Motivation
  • Routine: Deine Reaktion auf die Lust
  • Belohnung: Das anschliessende Gefühl, Körperempfinden, Gedanken

Wenn du eine Lust verspürst möchtest du diese befriedigen. Das Resultat dazu ist eine Belohnung. Der Weg von der Lust zum gewollten Resultat nennt sich Routine. Je öfters diese Routine erfolgreich angewendet wird, desto fester verankert sie sich im limbischen System. Daraus entsteht eine Gewohnheiten.

Die Prägung von Routinen und Gewohnheiten beginnt bereits in der Kindheit. Sie zieht sich bis an unser Lebensende weiter.

Wie eine Gewohnheit anhand eines Beispiels entsteht

Nehmen wir mal an du hattest als kleines Kind die Lust verspürt zu malen. Du nahmst die Farbe hervor und maltest voller Freude ein Bild für deine Mutter. Wenn sie sich darauf hin freute erhieltest auch du ein gutes Gefühl und wurdest dadurch belohnt. Womöglich maltest du ihr gleich darauf ein zweites und drittes Bild. Damit hast du gelernt und mit der Zeit verinnerlicht, dass malen eine tolle Sache ist.

Wenn die Mutter eine Kritik als Antwort für dein Bild fand, bekamst du ein schlechtes Gefühl, oder vielleicht sogar Angst nicht geliebt zu werden, und hast das Malen sein lassen. Die Belohnung blieb aus oder du lerntest, dass deine kreativen Malarbeiten zu minderwertig sind und niemandem zeigen darfst, weil sie sonst kritisiert würden. Wie hätten deine Gefühle stattdessen antworten können?

Von klein auf brauchst du die Bestätigung und Aufmerksamkeit deiner Eltern. Hierbei ist es egal ob die Aufmerksamkeit positiv oder negativ ausfällt. Hauptsache du wirst wahrgenommen. Daher ist es nur verständlich, dass du dich den Ansprüchen deiner Eltern angepasst hast.

Mit deinen Erlebnissen machst du es dir zur Gewohnheit deine Lust mit einer Verhaltensweise (Routine) auszuleben, welche mit einer Aufmerksamkeit (Belohnung) deiner Eltern einher ging. Man könnte sagen du hast dich für eine Routine entschieden, die dir eine gewünschte Belohnung versprach.

Wenn du von deinen Eltern Aufmerksamkeit erhieltest wenn du wütend wurdest, so ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass du noch heute wütend wirst um von Aussen Aufmerksamkeit zu erhalten. Im Gegensatz zu früher verschob sich der Fokus von den Eltern auf dein gesamtes Umfeld, wie Familie, Freunde, Kollegen, etc.

Wenn du dich fragst wieso du in machen Situationen reagierst wie du reagierst, dann hast du die Antwort nun gefunden. Die Vergangenheit hat dich entsprechend geprägt.

Welche Probleme erzeugen unsere Gewohnheiten

Der Vorteil von Gewohnheiten ist deren Automatismus und der damit einhergehende geringe Energieverbrauch des Gehirns. Ein weiterer Vorteil ist die scheinbare Sicherheit. In dem du immer dieselben Automatismen durchlebst bleibst du in deinem altbekannten Gebiet. Neues würdest du kennenlernen, wenn du deine Automatismen und eigene Grenzen überwinden und Neues ausprobieren würdest.

Wie du unschwer erkennst bringen Gewohnheiten auch Probleme mit sich. Folgende Punkte sind die Offensichtlichsten.
1. Du lebst dein Leben unbewusst. Du verstehst nicht weshalb du in manchen Situationen reagierst wie du reagierst. Das aufdecken zu wollen schürt oftmals Angst.
2. Du lebst in der Vergangenheit. Deine Automatismen haben nichts mit der Gegenwart zu tun. Deine Automatismen stammen aus der Vergangenheit und hast du mit der Zeit verinnerlicht.
3. Dein Leben ist auf deine Automatismen beschränkt. Mit der Zeit hast du für viele Situationen eine Routine entwickelt und lässt sie automatisch abspielen. (z.B. verwendest du immer dieselbe Art von Humor, um Aufmerksamkeit zu erregen. Das kannst du bei Leuten beobachten, die Sarkasmus gerne praktizieren.) Dein Blickfeld wird enger, wodurch du in Gefahr läufst dich zu einem engstirnigen Menschen zu entwickeln.
4. Du steckst in einem Teufelskreis und findest dich immerzu in denselben Situationen. Deine Automatismen erzeugen immer dasselbe Resultat. Solange du sie nicht änderst wird sich dein Leben nicht verändern.

Der Trugschluss: Die Arbeit mit der Vergangenheit

Es herrscht die allgemeine Auffassung man müsse sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen, um psychologische Veränderungen anzustossen. Dies wurde in der Ausbildung zum Psychoanalysten vermittelt. In Fällen wie traumatischen Ereignissen mag es sich als sinnvoll erweisen Vergangenheitsbewältigung zu betreiben. Hinter solchen Themen steckt sehr viel Angst, weshalb ein behutsamer Umgang notwendig ist. In den meisten Fällen wiederum handelt es sich um einen Trugschluss. Vor allem im Bezug auf die Veränderung von Gewohnheiten.

In der Psychoanalyse mussten Menschen ihre gesamte Vergangenheit bis ins kleinste Detail beschreiben. Mit dem Resultat, dass sich die Therapie über Jahre hinweg zog und sich keine Veränderung des Klienten einstellte. Dasselbe gilt heute noch. Menschen, die ihre Vergangenheit aufrollen und jedes Ereignis bis ins Detail hinterfragen, vergeuden meiner Ansicht nach ihre wertvolle Zeit. Der Schlüssel ist in der Gegenwärtigkeit zu suchen.

Der gesunde Weg: Gegenwärtigkeit

Wenn du nun erwartest eine Liste von Tipps zu erhalten wie du dein Selbstbewusstsein für deine Automatismen schärfen kannst, muss ich dich enttäuschen. Stattdessen erwähne ich eine einzige: Das Leben im Hier und Jetzt.
Indem du in der Vergangenheit Routinen und Gewohnheiten erlernt hast und sie immer wieder durchlebst, beeinflussen sie enorm dein gegenwärtiges Leben. Wenn Du sie verändern willst solltest du es im Hier und Jetzt versuchen. Die Lösung ist einfach: Je bewusster und gegenwärtiger du lebst, desto klarer erkennst du deine verborgenen Automatismen und kannst beginnen sie zu verändern. Du förderst dadurch dein Selbstbewusstsein durch Selbstreflektion. (Mehr zu dazu findest du im Artikel “Was ist Selbstbewusstsein“)
Je bewusster und gegenwärtiger du lebst, desto klarer erkennst du deine verborgenen Automatismen und… Klick um zu Tweeten

Um Gegenwärtig zu leben brauchst du zu erkennen wann du es nicht tust. Das ist ganz einfach.
Die meiste Zeit denkst du an vergangene Ereignisse oder planst deine Zukunft. Du nimmst selten wahr wo du bist oder was du gerade tust. Dir fehlt es an Präsenz und Selbstbewusstsein. Beides erreichst du indem du dir deinen Körper bewusst machst. Dies gelingt dir am einfachsten wenn du dich auf deinen Atem konzentrierst. Sobald du deinen Atem bewusst wahrnimmst, wirst du feststellen wie sich deine Gedanken kurzzeitig beruhigen. Dann bist du gegenwärtig. Mit stetiger Übung wirst du selbstbewusster und gegenwärtiger. Seh dir das zu die Videos von Eckhart Tolle an, in denen er viele praktische Tipps gibt.

Wenn du ein gewisses Mass an Gegenwärtigkeit erlangt hast, beginnst du deine Automatismen zu beobachten. Du erkennst wie in Situationen reagierst. Und hier fängst du an deine Routinen zu erkennen. Womöglich schaffst du es diese Routine mit einem vergangenen Ereignis in Verbindung zu bringen. Dann wiederum hast du die Verbindung zur Vergangenheit und kannst die damalige Situation versuchen zu verstehen. Diese Art mit der Vergangenheit zu arbeiten erachte ich als sinnvoll und zielgerichtet.

Zum Schluss

Über Jahre hinweg hast du dir Gewohnheiten angeeignet, welche dein Leben grösstenteils bestimmen. Die Automatismen sind im limbischen System fest verankert, so dass das bewusste Denken sie erst dann wahr nimmt wenn die Verhaltensweisen bereits angestossen sind. Diese Mechanismen erzeugen Probleme. z.B. in Form von Teufelskreisen, wo durch du dich immer wieder in denselben Situationen wiederfindest. Um aus dem Teufelskreis auszubrechen ist es ratsam das Selbstbewusstsein zu fördern um in der Gegenwart, also im Hier und Jetzt, die Automatismen zu erkennen. Dies ist zielgerichteter als in der Vergangenheit nach dem Ursprung deiner Gewohnheiten zu suchen, welche mit der Gegenwart keinen Zusammenhang haben.

Ich hoffe du hast ein paar Tipps und Antworten für dich selbst entnehmen können, um dein Selbstbewusstsein zu fördern.
Was ist deine Meinung dazu? Du darfst dich gerne melden. Dein Kommentar ist sehr willkommen. Ich werde darauf antworten.

Herzlichen Gruss

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Wie weiter?

Dieser Beitrag stellt die Lektion 2 zur Grundlage “Selbstbewusstsein stärken: Der Einstieg” dar.

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