Ab wann Coaching hilfreicher wird als Selbsthilfe
5 / 1

Vor zwei Jahren habe ich meine Coaching Ausbildung abgeschlossen. Nach wie vor finde ich die Beratungstätigkeit erfüllend und bringt jedem Klienten, der es seriös angeht, einen enormen Mehrwert. Wenn mich jemand fragt ob er ein Coaching buchen soll, um eine Herausforderung zu meistern oder eine Veränderung anzustossen, dann ermuntere ich diese Person. Oftmals ist sie nach dem Coaching Termin dankbar den Schritt gewagt zu haben.
Hingegen gab es lange Zeit eine Person in meinem Umfeld, die sich sträubte einen Coach oder Therapeuten aufzusuchen. Diese Person war und ist manchmal immer noch eine echte Knacknuss. Wer diese Person ist: Ich selbst.
Ich wünschte ich hätte damals bereits gewusst wann Coaching sinnvoll ist und wann ich in Selbstregie agieren soll.

Ich kann das selbst!

Als introvertierte, ruhige und zurückhaltende Person bin ich oft in meinen eigenen Gedanken versunken. Wenige dieser Gedanken schaffen es an die Oberfläche und werden als Worte ausgedrückt. Die Grafik von Natalie Schnack passt da voll auf mich zu.:-)


Und wenn meine Gedanken ausgesprochen werden, dann werden sie oftmals anders verstanden als ich es gemeint hatte. Das ist einer der Gründe weshalb ich gerne anderen Leuten das Reden überlasse. Daher stelle ich sehr gerne direkte, indirekte oder provozierende Fragen, die das Gegenüber zum Denken anregen. Also eine optimale Voraussetzung für die Tätigkeit als Coach.

In meinen Gedanken verknüpfe ich Dinge miteinander, mit welchen ich bereits viele schwierige Herausforderungen gemeistert habe. Kein Wunder dachte ich lange Zeit ich könne alle meine Probleme selbst lösen. Und wenn ich es mal nicht konnte, dann suchte ich schweren Herzens Rat bei meinen Freunden oder in meiner Partnerschaft. Solange es sich dabei um technische oder mathematische Herausforderungen handelte kam ich immer gut zu recht. Allerdings stiess ich in persönlichen Belangen schnell an meine Grenzen. Ich kam nie so richtig mit mir in den Kontakt.

Unliebsames Coaching

An meine persönlichen Grenzen kam ich vor 10 Jahren. Es handelte sich um kein Burnout, wie es bei manch anderen Leuten geschieht. Für mich war es schlimmer. Damals starb meine Mutter nach einem langen Leidensweg. Anstatt ihren Tod mittels Reden zu verarbeiten blieb ich stumm. Ich schluckte all meine Trauer in mich hinein und versuchte den Kummer mit mir auszumachen.

Gegenüber meiner damaligen Freundin konnte ich mich ein wenig öffnen. Aber nicht in dem Masse, dass ich alles von mir gezeigt hätte. Irgendwann meinte sie ich solle ein Coaching besuchen oder einen Termin bei einem Psychologen vereinbaren.

“Ich? zu einem Psychologen? Habe ich denn einen an der Waffel?“, war meine erste Reaktion. Als mir Monate später ein Arzt die Diagnose einer psychosomatischen Krankheit stellte, habe ich meinen Standpunkt nochmals überdacht.
Ich surfte im Internet nach potentiellen Berater. Ich las aller ihre Informationen über ihre Coaching und Training Angebote aufmerksam durch, genauso wie ihr Impressum und abonnierte ihre Newsletter. Ausserdem begann ich Bücher zu dem Thema zu bestellen.
Nach einer Weile entschied ich mich tatsächlich mich bei einem Psychologischen Berater anzumelden. Ich wusste zwar nicht was ich bei ihm sollte, doch wenn es mir helfen würde die Enge in meinem Hals zu lösen, dann war ich hier richtig. Tatsächlich lockerte sich die Enge mit jedem besuchten Termin und mein Leben gewann an Qualität. Es war allerdings nicht einfach, denn ich musste meine Komfortzone verlassen.

Ich sehe was was du nicht siehst

Wenn es um mich selbst geht bin ich mit meiner Ansicht befangen. Ich sehe was ich sehen will. Alles andere blende ich aus. Ich meine alles besser zu wissen als die anderen. Ich unterliege dabei einem Trugschluss, denn die eigene Sicht entspricht kaum der Sicht meiner Mitmenschen. Ich habe jede Menge blinde Flecken.

Was ich auf meinem Weg gelernt habe, ist, dass jeder Mensch blinde Flecken hat und in einer ähnlichen Situation steckt wie ich. Ja, auch du. Ehrlich gesagt beruhigt mich das. Denn ich bin kein Einzelfall, sondern stecke mit dir im selben Boot.

Ab wann Coaching sinnvoll wird

Wegen genau diesen blinden Flecken macht es Sinn mit Menschen zu sprechen und sich reflektieren zu lassen. Die erste Anlaufstelle bilden meine Frau und meine Freunde. Beide sind sehr nett und helfen bereitwillig. Sie stehen auf meiner Seite hinterfragen meine Aussagen wenig. Sie ermuntern mich und bestärken mich in meinem Ansichten. Es tut einfach gut mit ihnen zu sprechen. Allerdings lerne ich wenig über mich selbst und meine blinden Flecken.

Die Arbeit mit einem Coach empfinde ich jedoch als unangenehm bereichernd. Unangenehm, weil der Berater meine Ansichten in Frage stellt und mich herausfordert. Sehr oft erkenne ich Neues an mir und erhalte Vorschläge für alternative Verhaltensweisen. Manchmal fühle ich mich emotional ausgelaugt. Hingegen bereichern mich die Coachings und unterstützen mich meine blinden Flecken zu erkennen und meine Ziele zu erreichen.

Ein Coach legt, im Gegensatz zu dem Grossteil meiner Freunde, eine Systematik an den Tag, die für die Erkundung des Selbstbewusstseins notwendig ist. Seine Erfahrung unterstützt mich schneller an meine Ziele zu gelangen, auch wenn die Selbsterkenntnis manchmal schmerzhaft ist.

Wie du siehst bin ich von Coachings angetan. Allerdings würde ich sie nur unter gewissen Gesichtspunkten empfehlen.

Bedingungen einen Coach aufzusuchen

Als ich die Energietherapeuten Ausbildung absolvierte, bekamen wir als Auflage für das Diplom 50 Therapiestunden auferlegt. Das noble Ziel war an sich zu arbeiten. Hingegen war es mein Ziel das Diplom in meinen Händen zu halten. Aus diesem Grund habe ich aus den Beratungsterminen weniger herausgeholt als ich es hätte tun können.

Beachte die drei Gesichtspunkte bevor du einen Coach aufsuchst

Wenn du bereit bist Geld für Coachings auszugeben, dann solltest du ein paar Gesichtspunkte für dich klären.

Was möchtest du konkret erreichen/erfahren?

Wenn du zu einem Coach gehst, dann solltest du dir ein Ziel stecken. Je konkreter dein Ziel ist desto besser. Der Coach wird dir besser helfen können, wenn er weiss was du konkret erreichen willst.

Gehst du ohne Ziel zu einem Coach wird er dennoch Themen finden an denen ihr arbeiten könnt. Es ist zwar nett sich in Selbsterkenntnis zu üben, doch bringt es dir wenig wenn du keine Veränderungen anstösst. Ausserdem wirst du kaum ein Thema bearbeiten, welches dich oder dein Business in deinem Sinne weiterbringt.

Wenn du keine Idee hast was du bei einem Coach bearbeiten willst, habe ich dir einen Tipp:
Bevor du zu einem Coach könntest du Tagebuch schreiben. Damit schaffst du Klarheit über deine akuten Themen und kannst sie mit ihm besprechen.

Bist du bereit dich Herausfordern zu lassen und konfrontiert zu werden?

Die Aufgabe eines Coaches ist dich herauszufordern und dich weiter zu bringen. Ein guter Berater kuschelt nicht mit dir, er spiegelt dich wieder. Für das Kuscheln sind deine Freunde zuständig.

Frage dich deshalb ernsthaft was du genau benötigst. Willst du gekuschelt und in deinen Ansichten bestärkt werden, dann gehe zu deinen Freunden.

Wenn du Konfrontation nicht scheust, dann ist die Zeit und das Geld bei einem Coach richtig investiert.

Bist du bereit an dir zu arbeiten?

Ein Coach sieht dich genau eine Stunde für eine Sitzung. Danach bist du bis zum nächsten Termin auf dich alleine gestellt. Wahrscheinlich wird dir dein Coach eine Hausaufgabe mitgeben. Die Frage ist nun ob du bereit bist zwischen den Terminen an dir zu arbeiten. Wenn nicht, spar dir die Zeit und das Geld.

Der Coach wird es dir auch danken. In seiner Rolle ist es ist sehr frustrierend wenn er bei jeder Sitzung wieder von vorne anfangen muss. Dir bringt es genauso wenig.

Hingegen freut sich der Coach über motivierte Klienten und strengt sich gleich noch mehr an. Dies kommt auch dir zu Gute, wodurch du mehr für dein Geld erhältst.

Take Away

Alles für dich alleine ausmachen zu wollen ist selten ideal. Blinde Flecken kannst du selbst nicht bearbeiten. Dafür ist Unterstützung von aussen sehr hilfreichen. Am Besten du überlegst dir ernsthaft einen Termin bei einem professionellen Coach zu vereinbaren. Schliesslich sollte deine Zeit und dein Geld wohl investiert sein. Im optimalen Falle gehst du mit einem konkreten Thema/Ziel zu ihm und möchtest eine Veränderung anstossen. Dabei sollte es dir nichts ausmachen, wenn er dich spiegelt und konfrontiert. Schliesslich willst du dich weiterentwickeln.
Wenn du die oben genannten Gesichtspunkte für dich beantwortest bist du gewappnet einen idealen Coach für die auszusuchen. Auswahl gibt es ja genug. 😉

Herzlichen Gruss

Unterschrift-kleiner
  • Facebook
  • Twitter
  • G+
  • Buffer
  • Pinterest

Das könnte dich interessieren

Den perfekten Coach finden um durchzustarten

 

Pin It on Pinterest

Share This