Offenheit leben und Gefühle ausdrücken
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Lange Zeit war ich eine sehr introvertierte und verschlossene Persönlichkeit. Wenn mich jemand fragte wie es mir ging erwiderte ich jeweils “Gut”. Oftmals stimmte es auch. Ich hatte gar keinen richtigen Zugang zu meinen GefühlenWenn es mir mal schlecht ging dann erkannten meine Mitmenschen meinen Zustand in nur sehr seltenen Fällen. Nur meine sehr engen Freunde waren die Einzigen die einen Unterschied bemerkten. Ich hatte oft eine perfekte und emotionslose Maske auf.

Als ich 29ig war starb meine Mutter, was für mich ein einschneidendes Erlebnis war. Doch ich liess mir nichts anmerken. Eine Mitstudentin sagte mir einmal: “Ich habe zu dieser Zeit nicht sagen können was damals passierte. Du warst ein wenig ruhiger als sonst. Abgesehen davon war kein Unterschied wahrnehmbar.”

In mir brodelte es. Meine Traurigkeit nagte an mir. Ich weinte mich teilweise alleine in den Schlaf. Doch die Tränen flossen nur verhalten. So richtig öffnen konnte ich mich nicht. Nicht einmal mir selbst gegenüber, geschweige denn meinen Mitmenschen. Ich hielt alles in mir verschlossen.

Monate später bekam ich Mühe mit meinem Hals. Er fühlte sich eng an und ich hatte Mühe mit dem Atmen. Ich liess mich bei einem Hals-Nase-Ohrenarzt untersuchen. Alles war in Ordnung. Der Arzt meinte daraufhin es sei psychosomatisch. “Was?! Ich? Ich habe doch keinen Knacks!” Mit völligem Unverständnis verliess ich die Praxis. Doch irgendwie brachte mich das zum nachdenken.

Ich sprach mit meiner damaligen Freundin über mein Arzt-Erlebnis. Während dem Gespräch konnte ich mir plötzlich vorstellen, dass mein Hals-Problem vielleicht doch wegen des Todes meiner Mutter aufgetreten sei. Wir sprachen weiter und auf einmal kullerten mir Tränen hinunter. Ich fing an verhalten zu schluchzen und konnte sogar ein wenig vor ihr weinen. Wochen zuvor war das noch undenkbar gewesen.

Danach kam der Tod meiner Mutter in unserer Beziehung immer wieder zur Sprache. Anfänglich oft mit Tränen verbunden. Doch mit der Zeit ging es mir und meinem Hals besser. Mein Hals ist jetzt noch immer mal wieder verkrampft, doch merke ich in diesen Situationen wie ich Emotionen zurückhalte. Genau wie ich es mit meiner Trauer hielt.

Mein Erlebnis hat mir gezeigt wie wichtig es ist Emotionen zu zeigen und darüber zu sprechen. Ich konnte nicht alles selbst verarbeiten. Erst in Gesprächen mit meiner Freundin verarbeitete ich die Trauer. Die psychosomatischen Symptome haben sich dadurch gelindert.

Es ist lebensnotwendig Gefühle zu kommunizieren. Klick um zu Tweeten

Raus damit! 

Auch wenn es nicht immer einfach ist sich zu zeigen und sein Inneres nach aussen zu tragen ist es elementar wichtig Möglichkeiten zu finden dies zu tun. Der Vergleich eines Dampfkochtopf auf dem Herd kommt ziemlich nahe. Irgendwann muss der Druck raus. Je eher desto besser.

Wenn Du dich nicht öffnen kannst wird sich dies auf die ein oder andere Art bemerkbar machen. (In meinem Fall kam es zu psychosomatischen Symptomen.) Falls es dir ähnlich schwer fällt dich zu öffnen dann solltest du einen Weg finden Emotionen, Empfindungen und Gedanken aus dir zu lassen. Optimalerweise besprichst du deine Anliegen mit einem vertrauensvollen Freund.

Mir ist es wichtig klarzustellen, dass es mir nicht darum geht Klagen zu teilen. Denn Klagen empfinde ich passiv und trägt nichts zur Verbesserung bei. Unterbewusst möchte man damit bloss in der Situation verharren. Was ich meine ist der authentische Austausch deines aktuellen Zustands, damit sich deine Situation verbessert.

Gründe sich zu öffnen

Für mich gibt es diverse Gründe damit du anfängst dich zu öffnen. Hier eine kleine Liste:

  • Emotionaler Druck ablassen.
  • Psychohygiene
  • Mehr Sicherheit im Austausch deiner inneren Welt zu gewinnen.
  • Dich erleichtert fühlen, wenn du dich geäussert hast.
  • Im Gespräch mit anderen zu erkennen, dass du nicht der einzige mit dem Problem bist. Es werden bestimmt viele andere in deinem Umfeld mit denselben Thematiken zu kämpfen haben. 
  • Wenn du dich einer anderen Person öffnest dann zeigst du dein Inneres.  Die Menschen um dich herum herum werden erstaunt sein wie vielfältig und umfangreich dein Inneres ist. Sie werden etwas Neues über dich erfahren. Nicht nur das. Sie werden sich oftmals deswegen angezogen fühlen. Eure Beziehung wird sich höchst wahrscheinlich vertiefen.

Den letzten Punkt meine ich wirklich ernst. Ich habe erfahren wie sich Beziehungen vertieft haben nur weil ich oder der andere sich geöffnet hat. Ein extrem bereicherndes Gefühl. Das hat mir zunehmend die Angst genommen mich der Person weiterhin zu offenbaren. 

Vorsicht vor Verletzungen

Bevor du nun rausgehst und jedem deiner Kollegen offenbarst wie es dir geht, will ich dir noch etwas auf den Weg geben. “Nicht alle reagieren gelassen auf deine Offenheit und wertschätzen es auch” . Daher ist Vorsicht geboten. Die anfängliche Angst sich zu öffnen ist berechtigt.

Wenn du dich zu öffnen beginnst bist du an einem verwundbaren Ort. Zeigst du dein Inneres den falschen Personen kannst du verletzt werden, indem sie dein Vertrauen missbrauchen. Daher solltest du dir gut überlegen, oder noch besser deine Intuition entscheiden lassen, wem du dein Anliegen anvertrauen möchtest.

Kurz gesagt:

  • Nicht jeder reagiert gelassen auf deine Offenheit. 
  • Nicht jeder nimmt dich so wie du bist.
  • Überlege dir gut wem du dich anvertrauen möchtest. Nutze dabei deine Intuition, damit du anfangs in deiner Angst nicht bestätigt wirst.

Möglichkeiten dich zu auszudrücken

Ich finde es sehr wichtig die eigenen Emotionen, Empfindungen und Gedanken zu äussern. Doch es ist vielleicht nicht deines dich persönlich mit jemanden auszutauschen. Vielleicht ist gerade niemand da, der dir zuhören könnte. Stattdessen gibt es andersweitige Methoden, um dein Inneres nach aussen zu bringen.

  • Du könntest ein Tagebuch schreiben und deinen Erlebnissen freien Lauf lassen.  Du kannst schreiben wie dir der Schnabel gewachsen ist. Die einzige Person die es verstehen soll bist du. Beim Schreiben dringt alles aus dir raus. Sogar während des Schreibens wirst du inspiriert, wodurch du mehr Details aufschreibst als dir anfänglich bewusst war.
  • Die mutige Variante eines Tagebuches wäre ein Blog zu verfassen. Leute könnten dir daraufhin antworten, sodass du mit ihnen in den Kontakt treten kannst. Natürlich muss es dann verständlich geschrieben sein. Deine inneren Themen werden zum Thema des Blogs. Als Beispiel für einen derartigen Blog ist “Depressiv leben”. 
  • Wenn du dich gerne noch weiter öffnen möchtest dann kannst du dich auf den Social Medien (Twitter, Facebook, etc) austauschen. Ob das wirklich die richtige Art und Weise ist mag ich zu bezweifeln. Doch kann es sicherlich erleichternd sein, deinen Emotionen mal kurz freien Lauf zu lassen. Wichtig dabei ist niemanden zu verletzen, was schlussendlich auch im normalen Leben gilt. Für tiefgreifende Themen finde ich diese Medien ungeeignet.
  • Was ich immer gut finde sind Körperliche Aktivitäten. Sehr geeignet um Wut und Frust rauszulassen oder einfach nur auf andere Gedanken zu kommen

Du siehst es gibt mehrere Möglichkeiten deine innere Welt auszudrücken, dich zu öffnen oder zu äussern. Wichtig ist es auch zu tun. Solltest du anfängliche Ängste überwinden müssen wirst du es mit der Übung immer einfacher finden dich zu öffnen.

Nach diesem Beitrag interessiert es mich brennend wie du deine Emotionen, Empfindungen und Gedanken ausdrückst Wie äusserst du sie und was tust du damit?

Herzlichst

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Noch mehr Inspiration findest du im Artikel “Was ist Selbstbewusstsein

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