Wenn Grenzen fallen kommt die Angst vor Freiheit
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Wir möchten frei entscheiden können, frei wählen, wie wir unser Leben gestalten. Das Gefühl von Freiheit ist ein kostbares Gut in unserer Gesellschaft. Freiheit bedeutet auch, Grenzen zu überschreiten, den kontrollierten, sicheren Bereich zu verlassen. Wenn altbekannte Strukturen durch neue ersetzt werden, verspüren wir jedoch Angst. Ist Freiheit letztendlich nur eine Illusion? Nein, behutsam kannst du deine Grenzen erweitern und innere Freiheit erfahren!

Freiheit und Sicherheit- Ein Widerspruch?

Freiheit oder lateinisch libertas, ein großes Wort für das bedeutendste Grundrecht moderner Demokratien. Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit und Pressefreiheit stellen den äußeren Rahmen der Freiheit dar. Jeder Mensch soll ohne Zwang zwischen unterschiedlichen Möglichkeiten wählen und frei handeln können. Die Freiheit des Einzelnen endet aber dort, wo die Freiheit anderer leidet. Oder wie Immanuel Kant bereits feststellte: Freiheit zu leben ist nur durch Vernunft möglich. Menschen handeln aber manchmal unvernünftig, deswegen sichern Gesetze das Zusammenleben in größeren Gesellschaften. Gesetzliche Kontrolle bietet uns Schutz und Sicherheit. Du bewegst dich in einer gewohnten Struktur, kennst die Gesetze und deine Umgebung.

Der Mensch braucht eine gewisse Sicherheit, um sich frei zu fühlen und auch frei bewegen zu können. Fürchten wir uns an jeder Straßenecke, werden wir unseren freien Bewegungsraum einschränken. Andererseits können Gesetze selbst natürlich auch regelnd und limitierend wirken. Die Sonne scheint. Ein wunderschöner Rasen vor dir lädt zum Verweilen mit der Picknickdecke ein. Doch das unübersehbare Schild “Betreten strengstens verboten” hindert dich daran. Grenzen der Freiheit werden jedoch nicht nur von Gesetzen, Regeln und äußeren Strukturen gesetzt.

Innere und äußere Freiheit

Wir selbst sind manchmal unsere strengsten Gesetzgeber. Du bist dabei, eine gesetzte Grenze zu überwinden, doch im letzten Moment meldet sich die Angst vor der Veränderung. Es ist die Angst, ein Stück gewohnter Kontrolle abzugeben. Diese Angst lässt dich am Vorhaben zweifeln. Mit vielen zermürbenden “Wenn” – Sätzen nehmen wir uns gerne selbst den Mut. Zusätzlich hat auch unser Innenleben einen Polizisten. Er funktioniert wie ein inneres Wachorgan, das dich bei Gesetzesübertretungen gerne mit dem moralischen Zeigefinger tadelt und in deine Schranken weist. Die kleine Fabel von den Fröschen soll veranschaulichen, wie sehr wir uns manchmal selbst unnotwendige Grenzen auferlegen:

Eines Tages beschlossen fünf Frösche, einen Wettlauf zum Turm zu veranstalten. Da sie sich wirklich eine Herausforderung wünschten, bestimmten sie als Ziel den höchsten Punkt eines Turmes. Die anderen Frösche versammelten sich entlang der Strecke. Sie feuerten die Läufer jedoch nicht an. Stattdessen bedachten sie die Teilnehmer mit mitleidigen Zurufen wie “Nein, das ist nicht zu schaffen” oder “Oje, ihr Armen, das ist zu weit!” Und wirklich gab ein Frosch nach dem anderen auf. Nur ein einziger schien unbeirrt weiterzulaufen. Er kletterte immer weiter den steilen Turm hinauf, bis er schließlich als einzig verbliebener Teilnehmer das Ziel erreichte. Alle waren verwundert und wollten unbedingt in Erfahrung bringen, wie es der Frosch geschafft hatte. Doch als sie ihn persönlich befragen wollten, merkten sie erst, dass der Gewinner völlig taub war!

Diese Geschichte soll natürlich nicht dazu einladen, ohne Sinne durchs Leben zu wandern. Ebenso wenig steht das Gewinnen im Vordergrund. Sie erzählt davon, dass es eigentlich alle geschafft hätten, wären sie nicht auf dem Weg entmutigt worden. Doch äußere und innere Zweifel bremsten das Vorhaben.

Mit kleinen Schritten persönliche Grenzen erweitern

Vielleicht ist uns der höchste Punkt des Turmes manchmal wirklich zu anstrengend und zu groß als Ziel. Sicher hätte es auf dem Weg andere schöne Rastplätze gegeben. Dann wären wir zwar nicht am höchsten Punkt angekommen, hätten jedoch trotzdem unsere Perspektive erweitert. Wir hätten einen Schritt über unsere persönliche Grenze gewagt. Wenn eine Veränderung zu große Angst bereitet, kann man es zuerst mit einem kleineren Schritt versuchen. Der Freund einer Bekannten fühlte sich starr und bewegungslos in seinem Job. Er war mit seiner beruflichen Situation sehr unzufrieden. Doch wenn er von seiner Leidenschaft, der Fotografie, erzählte, strahlte er über das ganze Gesicht. Auf die Frage, ob er nicht eine berufliche Veränderung in Erwägung ziehe, wehrte er jedoch sofort ab. Sein Job gab ihm Sicherheit. Eine Veränderung erfüllte ihn mit großer Angst. Er befürchtete, nicht mehr seinen finanziellen Pflichten nachkommen zu können. Auch das Risiko, vielleicht eine falsche Entscheidung zu treffen oder nicht erfolgreich zu sein, war ihm zu groß.

Schließlich schaffte er einen kleinen, aber für ihn sehr wichtigen Schritt nach vorne. Der Job war noch immer derselbe und wird es wahrscheinlich auch bleiben. Zusätzlich gibt er jetzt Workshops zu Fotografie und Bildverarbeitung und nimmt selbst den einen oder anderen Auftrag an. Seine feste Anstellung braucht er jedoch für sein persönliches Sicherheitsgefühl. Er meinte sogar lachend:”Weisst du, ich mache nur so große Schritte, wie mich meine Beine auch tragen können. Manchmal gehe ich sogar einen Schritt zurück und schäme mich überhaupt nicht mehr dafür!”

Langsam aber sicher

Freiheit und Sicherheit verhalten sich wie zwei Seiten derselben Medaille. Ein hohes gesetztes Ziel lässt sich oft in kleinere Schritte oder Teilziele unterteilen. Selten gibt es nur “entweder – oder”. Lass dir Zeit und spüre bei kleinen Veränderungen nach, ob es der richtige Schritt für dich war. Die Komfortzone verlassen gehört immer wieder dazu. Betrachte deine Ängste mit einem wohlwollenden Blick aber lass sie nicht gänzlich dein Handeln bestimmen. Wage einen Schritt in dem Bewusstsein, dass du auch wieder zurückgehen kannst. War es die für dich richtige Veränderung, dann gratuliere dir zu dem Erfolg. Du hast ein paar Stufen des Turmes erklommen und bist mit einer besseren Aussicht belohnt worden!

Herzlichst

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